Bernd Lötsch

Univ.-Doz. Dr., Biologe,
tit.a.o. Professor der Universität Salzburg,

  1. Lehrbeauftragter an den Universitäten Salzburg, Wien und Krems,
  2. seit Oktober 1994 Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien,
  3. davor langjährige Tätigkeit am Institut für Umweltwissenschaften und Naturschutz, (später Kommission für Humanökologie) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
 

Geboren 1941, studierte Bernd Lötsch an der Universität Wien Biologie und Chemie und promovierte 1970 zum Dr. phil. mit einer biochemischen Dissertation zum pflanzlichen Mineral- und Säurestoffwechsel am Pflanzenphysiologischen Institut bei H. Kinzel und R. Biebl. Bei seinem Vater, Prof. Bruno Lötsch, einem angesehenen Kulturfilmhersteller, lernte er das Filmhandwerk und bei Prof. W. Url Mikroskopie und wissenschaftliche Kinematographie.
Die Studienwahl war durch starke künstlerische Neigungen (Skulptur, Architektur, Filmkunst) erschwert. Schließlich führte die Begeisterung für Mikroskopie und das frühe Erahnen der Umweltthematik (1959) zu Biologie. Die ästhetische Komponente blieb jedoch - geprägt durch den Vater - besonders in Landschaftsschutz und Stadtgestaltung latent wirksam. Dessen Motivsuche als Kameramann für Erfolgs-Filme über Natur und Kultur sowie Alpinsport in Österreich sensibilisierte den Sohn für Landschaftswerte und gegen die zunehmende Verhässlichung durch Technokratie. Die Suche nach objektivierbaren Kriterien für das Schöne führte zur jahrzehntelangen Befassung mit den angeborenen Elementen des menschlichen Schönheitsempfindens, zu mehreren Grundsatzartikeln und zur Freundschaft mit Irenäus Eibl-Eibesfeldt.

Seit 1970 ist er mit Mag. pharm. Elisabeth Lötsch verheiratet, das Ehepaar Lötsch hat zwei Töchter: Birgit (1974) und Verena (1978). Seit 1987 gehört auch die Sheltie-Hündin Jenna zur Familie.

Von 1966 bis 1973 war Lötsch Assistent am Institut für Pflanzenphysiologie der Universität Wien (experimentelle Arbeiten zur pflanzlichen Biochemie), seit 1970 gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Film und Bild in München und dem Institut für den Wissenschaftlichen Film Göttingen, für die er Hochschulunterrichts- und Forschungsfilmen produziert.
Lötsch engagiert sich seit 1969 in Umweltfragen, beginnend mit der wissenschaftlichen Argumentation gegen Blei im Benzin, dem Kampf gegen eine geplante Neusiedler See-Brücke und für den Schutz der Donau-Auen.

1973, von Prof. Dr. Eberhard Stüber (Präsident des Österreichischen Naturschutzbundes, jetzt Direktor des Hauses der Natur, Salzburg) entdeckt und gefördert, begann Bernd Lötsch mit dem Aufbau des Instituts für Umweltwissenschaften und Naturschutz (zuerst Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, dann ÖAW) und ist in sorgfältig verteidigter politischer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit mit wissenschaftlicher Bildungs-, Forschungs- und Gutachtertätigkeit befasst. Dies gemeinsam mit Univ.-Doz. Dr. Peter Weish, den er vom Zoologischen Institut der Universität für Bodenkultur geholt hatte.

Starke Impulse gab es durch freundschaftliche und fachliche Kontakte mit dem Biophysiker Prof. Dr. Engel­bert Broda, dem Verhaltensforscher Prof. DDr. Konrad Lorenz, dem Kunsthistoriker Prof. DDr. Hans Sedlmayr, dem Städteplaner Victor Gruen, dem Historiker, Schriftsteller und Kulturpolitiker Dr. Jörg Mauthe, den Malern Friedensreich Hundertwasser und Arik Brauer sowie mit dem ägyptischen Architekten und Alter­nativ-Nobelpreisträger Prof. Hassan Fathy. Prägend war 1974 die Aufnahme in die „Gruppe Ökologie“ (Ingolstadt), wo ihm H. Weinzierl zum Vorbild und Freund wurde.

Aufgrund seiner Habilitation an der Universität Salzburg (1973) und in seiner Tätigkeit als Dozent an den Universitäten Wien und Salzburg absolvierte er Gastvorlesungen an der Akademie der Bilden­den Künste, der Medizinischen Fakultät und an mehreren Universitäten des Nahen und Mittleren Ostens. 1988 war er Referent der UNESCO-Seminare „Ecosystems Management“.

Bernd Lötsch ist als Biologe mit Alternativvorschlägen für lebensgerechte Stadtgestaltung und Verkehrslösungen hervorgetreten und wurde in Österreich durch harte Fernsehdiskussionen und Stellungnahmen zu aktuellen Umweltproblemen bekannt. Er ist Verfasser der meisten Grundsatz-Manifeste des Österreichischen Naturschutzbundes (zwischen 1974 und 1981) und argumentativer Vorkämpfer des Biologischen Landbaues in Österreich (1975 bis 1985).

Als Vortragender auf internationalen Kongressen im Grenzbereich Ökologie, Architektur und Städtebau ist er ebenso tätig wie als wissenschaftlicher Beirat des urbanen Entwicklungsprojektes „Berlin Kreuzberg Moritzplatz“ (behutsamer Stadtumbau unter ökologischer Zielsetzung) und wissenschaftlicher Beirat der Internationalen Bauausstellung „Ruhr-Emscher-Park“.

Arbeitsschwerpunkte (und Publikationsthemen):
Stadtökologie; Energie und Umwelt; Ökologie und Ökonomie; Sachverständiger für Lebensmittel aus biologischem Landbau (Experte der Codex-Kommission); Entwicklungspolitik und Ökologie; wissenschaftlicher Film und Ökodidaktik; Ökologie und Kunst; Geschichte der Naturwissenschaften; 1980 Gründungsbeirat von Horst Sterns Umweltmagazin „natur“. Seit 1974 häufige Zusammenarbeit mit Konrad Lorenz in Umweltfragen; wissenschaftlicher Berater des World Wide Fund for Nature, des Österreichischen Naturschutzbundes und des Österreichischen Jugendrotkreuzes; seit 1985 Leiter des Arbeitskreises „Nationalpark“ der Ökologiekommission der Bundesregierung, seit 1981 Juror des „Konrad-Lorenz-Staatspreises für Umweltschutz“. 1987 bei Studien zur Klärtechnik Entdeckung der Sauerstoffanreicherung des Bodens durch die Wurzeln photosynthetisierender Sumpfpflanzen
Seit 1986 Präsident des mit Umweltminister Franz Kreuzer gegründeten Nationalpark-Instituts Donau-Auen; Studium der Besucherbetreuung im US-Nationalpark Everglades; 1989 erfolgreicher Schutzkauf der nationalparkwürdigen Südufer-Auen bei Regelsbrunn, NÖ, (gemeinsam mit Dr. Gustav Harmer, WWF) im Wettlauf gegen einen drohenden Spekulationskauf des Au-Waldes durch die E-Wirtschaft. Damit Herbeiführung politischer Vorentscheidungen für einen Nationalpark Donau-Auen. Initiator der Großkampagne „Natur freikaufen“ zur Beschaffung der Kaufsumme von 78 Millionen Schilling. Planung von Besuchereinrichtungen für das Nationalparkprojekt, insbesondere zur Ausbildung von „Interpretive Rangers“ mit dem US-National Park Service, Mitglied der IUCN und WCPA.
1994-99 Bau des Öko-Hauses in Petronell/Carnuntum als Testobjekt für Baubiologie und Ressourcenschonung als Naturführer-Akademie und Nationalparkstützpunkt des Naturhistorischen Museums.
1995-2000 Sanierung des Naturhistorischen Museums (z. B. Ausbau, Elektrifizierung Schaubereich, Lebendtierhaltung, Publikumsmikroskopie und Medien (3D), Solarkraftwerk, Café, Shop, Neue Abteilung Ökologie, 50% Besucherzuwachs)

Wissenschaftliche Filme und Unterrichtsmedien

  1. „Heilendes Fieber“ (1969) Filmdokumentation über den österreichischen Medizinnobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg (1857-1940)
  2. „Photosynthese“(1971-74) Hochschulunterrichtsfilmserie in Zusammenarbeit mit dem IWF Göttingen, dem FWU München und dem Klett-Verlag Stuttgart (1974)
  3. „Einzeller“ (FWU, München, 1972)
  4. „Filmportrait Konrad Lorenz“ (für das Referat Zeitgeschichte des IWF Göttingen, 1978)
  5. „Die grüne Stadt“ Österreichischer Beitrag zur UNO-Konferenz Habitat (1976)
  6. „Stadtökologie für Wüstenregionen“ Angepasste Technologie für Entwicklungsländer (1983)
  7. Lehrerfortbildungsprogramm des Österreichischen Jugendrotkreuzes „Ökologie und Umweltschutz - Argumente in Bildern“ (1976)
  8. „Ideen einer Kindheit - der Vogelkumpan“ Konrad Lorenz und die Wurzeln der Ethologie. Lötsch-Film-Wien (1984) in Co-Produktion mit dem ORF und dem BR
  9. „Konrad Lorenz - Umweltgewissen“ Ein Hörbild mit Stimmdokumenten aus zwei Jahrzehnten, CBS Tonträger (1989)
  10. „Mensch und Biosphäre - Ist die Zukunft schon zu Ende?“ Studieneinheit 28 im Rahmen der multimedialen Produktion „Der Mensch - Anthropologie heute“ des Deutschen Instituts für Fernstudien Tübingen und Südwestfunks Baden-Baden (1992/93)

Preise und Auszeichnungen

  1. Preis der Victor-Gruen-Stiftung, Zug/Zürich 1982
  2. Bodo-Manstein-Goldmedaille, Naturschutzpreis der Deutschen Natur- und Umweltverbände (B.U.N.D.), Lübeck, 1985
  3. Staatspreis für Audiovisuelle Medien in Forschung und Lehre, Wien (1988)
  4. Konrad-Lorenz-Medaille 1994 des Wiener Volksbildungswerkes
  5. Auszeichnung der Österreichischen Gesellschaft für Onkologie (für seine umweltwissenschaftlichen Aktivitäten als genereller Beitrag zur Krebsprophylaxe) 1994
  6. Bayrische Naturschutzmedaille 1995 Regensburg (für grenzüberschreitende Umweltbeiträge, insbesondere zur Erhaltung der letzten Bayerischen Donaufließstrecke)
  7. Berufstitel Gastprofessor der Universität Krems 1996
  8. Konrad-Lorenz-Staatspreis für Umweltschutz 1998
  9. Partner des Stephen-Mather-Training Center des U.S. National Park Service, Harpers Ferry 1998
  10. Preis Bruno-H.-Schubert-Stiftung, Kategorie I, höchstdotierter privater Umweltpreis Deutschlands Juni 1999, Frankfurt

Filmfestival-Preise (Auswahl)

  1. Internationale Biennale des wissenschaftlichen. Films der Universität Padua 1975, Bucranio d’Argento, Bester Forschungsfilm
  2. Internationales Festival des Populärwissenschaftlichen Films Ronda 1988, Premio Felix Rodriguez de la Fuente
  3. WHO Medikinale Parma 1989, Magna cum Laude und „Special Award for Excellent Photography“
  4. Internationales Umweltfilmfestival „La natura, l’uomo e il suo ambiente“
  5. Internationales Berg-, Natur- und Forschungsfilmfestival, Trento 1991, Goldmedaille Jean Juge