Geboren 1941, studierte Bernd Lötsch
an der Universität Wien Biologie und Chemie und promovierte 1970
zum Dr. phil. mit einer biochemischen Dissertation zum pflanzlichen Mineral-
und Säurestoffwechsel am Pflanzenphysiologischen Institut bei H.
Kinzel und R. Biebl. Bei seinem Vater, Prof. Bruno Lötsch, einem
angesehenen Kulturfilmhersteller, lernte er das Filmhandwerk und bei
Prof. W. Url Mikroskopie und wissenschaftliche Kinematographie.
Die Studienwahl war durch starke künstlerische Neigungen (Skulptur,
Architektur, Filmkunst) erschwert. Schließlich führte die Begeisterung
für Mikroskopie und das frühe Erahnen der Umweltthematik (1959)
zu Biologie. Die ästhetische Komponente blieb jedoch - geprägt
durch den Vater - besonders in Landschaftsschutz und Stadtgestaltung latent
wirksam. Dessen Motivsuche als Kameramann für Erfolgs-Filme über
Natur und Kultur sowie Alpinsport in Österreich sensibilisierte den
Sohn für Landschaftswerte und gegen die zunehmende Verhässlichung
durch Technokratie. Die Suche nach objektivierbaren Kriterien für
das Schöne führte zur jahrzehntelangen Befassung mit den angeborenen
Elementen des menschlichen Schönheitsempfindens, zu mehreren Grundsatzartikeln
und zur Freundschaft mit Irenäus Eibl-Eibesfeldt.
Seit 1970 ist er mit Mag. pharm. Elisabeth Lötsch
verheiratet, das Ehepaar Lötsch hat zwei Töchter: Birgit (1974)
und Verena (1978). Seit 1987 gehört auch die Sheltie-Hündin
Jenna zur Familie.
Von 1966 bis 1973 war Lötsch Assistent am Institut
für Pflanzenphysiologie der Universität Wien (experimentelle
Arbeiten zur pflanzlichen Biochemie), seit 1970 gibt es eine enge Zusammenarbeit
mit dem Institut für Film und Bild in München und dem Institut
für den Wissenschaftlichen Film Göttingen, für die er
Hochschulunterrichts- und Forschungsfilmen produziert.
Lötsch engagiert sich seit 1969 in Umweltfragen, beginnend mit der
wissenschaftlichen Argumentation gegen Blei im Benzin, dem Kampf gegen
eine geplante Neusiedler See-Brücke und für den Schutz der
Donau-Auen.
1973, von Prof. Dr. Eberhard Stüber (Präsident
des Österreichischen Naturschutzbundes, jetzt Direktor des Hauses
der Natur, Salzburg) entdeckt und gefördert, begann Bernd Lötsch
mit dem Aufbau des Instituts für Umweltwissenschaften und Naturschutz
(zuerst Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, dann ÖAW) und ist in sorgfältig
verteidigter politischer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit mit
wissenschaftlicher Bildungs-, Forschungs- und Gutachtertätigkeit
befasst. Dies gemeinsam mit Univ.-Doz. Dr. Peter Weish, den er vom Zoologischen
Institut der Universität für Bodenkultur geholt hatte.
Starke Impulse gab es durch freundschaftliche und fachliche
Kontakte mit dem Biophysiker Prof. Dr. Engelbert Broda, dem Verhaltensforscher
Prof. DDr. Konrad Lorenz, dem Kunsthistoriker Prof. DDr. Hans Sedlmayr,
dem Städteplaner Victor Gruen, dem Historiker, Schriftsteller und
Kulturpolitiker Dr. Jörg Mauthe, den Malern Friedensreich Hundertwasser
und Arik Brauer sowie mit dem ägyptischen Architekten und Alternativ-Nobelpreisträger
Prof. Hassan Fathy. Prägend war 1974 die Aufnahme in die „Gruppe Ökologie“ (Ingolstadt),
wo ihm H. Weinzierl zum Vorbild und Freund wurde.
Aufgrund seiner Habilitation an der Universität
Salzburg (1973) und in seiner Tätigkeit als Dozent an den Universitäten
Wien und Salzburg absolvierte er Gastvorlesungen an der Akademie der
Bildenden Künste, der Medizinischen Fakultät und an mehreren
Universitäten des Nahen und Mittleren Ostens. 1988 war er Referent
der UNESCO-Seminare „Ecosystems Management“.
Bernd Lötsch ist als Biologe mit Alternativvorschlägen
für lebensgerechte Stadtgestaltung und Verkehrslösungen hervorgetreten
und wurde in Österreich durch harte Fernsehdiskussionen und Stellungnahmen
zu aktuellen Umweltproblemen bekannt. Er ist Verfasser der meisten Grundsatz-Manifeste
des Österreichischen Naturschutzbundes (zwischen 1974 und 1981)
und argumentativer Vorkämpfer des Biologischen Landbaues in Österreich
(1975 bis 1985).
Als Vortragender auf internationalen Kongressen im
Grenzbereich Ökologie, Architektur und Städtebau ist er ebenso
tätig wie als wissenschaftlicher Beirat des urbanen Entwicklungsprojektes „Berlin
Kreuzberg Moritzplatz“ (behutsamer Stadtumbau unter ökologischer
Zielsetzung) und wissenschaftlicher Beirat der Internationalen Bauausstellung „Ruhr-Emscher-Park“.
Arbeitsschwerpunkte (und Publikationsthemen):
Stadtökologie; Energie und Umwelt; Ökologie und Ökonomie;
Sachverständiger für Lebensmittel aus biologischem Landbau
(Experte der Codex-Kommission); Entwicklungspolitik und Ökologie;
wissenschaftlicher Film und Ökodidaktik; Ökologie und Kunst;
Geschichte der Naturwissenschaften; 1980 Gründungsbeirat von Horst
Sterns Umweltmagazin „natur“. Seit 1974 häufige Zusammenarbeit
mit Konrad Lorenz in Umweltfragen; wissenschaftlicher Berater des World
Wide Fund for Nature, des Österreichischen Naturschutzbundes und
des Österreichischen Jugendrotkreuzes; seit 1985 Leiter des Arbeitskreises „Nationalpark“ der Ökologiekommission
der Bundesregierung, seit 1981 Juror des „Konrad-Lorenz-Staatspreises
für Umweltschutz“. 1987 bei Studien zur Klärtechnik Entdeckung
der Sauerstoffanreicherung des Bodens durch die Wurzeln photosynthetisierender
Sumpfpflanzen
Seit 1986 Präsident des mit Umweltminister Franz Kreuzer gegründeten
Nationalpark-Instituts Donau-Auen; Studium der Besucherbetreuung im US-Nationalpark
Everglades; 1989 erfolgreicher Schutzkauf der nationalparkwürdigen
Südufer-Auen bei Regelsbrunn, NÖ, (gemeinsam mit Dr. Gustav
Harmer, WWF) im Wettlauf gegen einen drohenden Spekulationskauf des Au-Waldes
durch die E-Wirtschaft. Damit Herbeiführung politischer Vorentscheidungen
für einen Nationalpark Donau-Auen. Initiator der Großkampagne „Natur
freikaufen“ zur Beschaffung der Kaufsumme von 78 Millionen Schilling.
Planung von Besuchereinrichtungen für das Nationalparkprojekt, insbesondere
zur Ausbildung von „Interpretive Rangers“ mit dem US-National
Park Service, Mitglied der IUCN und WCPA.
1994-99 Bau des Öko-Hauses in Petronell/Carnuntum als Testobjekt
für Baubiologie und Ressourcenschonung als Naturführer-Akademie
und Nationalparkstützpunkt des Naturhistorischen Museums.
1995-2000 Sanierung des Naturhistorischen Museums (z. B. Ausbau, Elektrifizierung
Schaubereich, Lebendtierhaltung, Publikumsmikroskopie und Medien (3D),
Solarkraftwerk, Café, Shop, Neue Abteilung Ökologie, 50%
Besucherzuwachs)
Wissenschaftliche Filme und Unterrichtsmedien
- „Heilendes Fieber“ (1969) Filmdokumentation über
den österreichischen Medizinnobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg
(1857-1940)
- „Photosynthese“(1971-74) Hochschulunterrichtsfilmserie
in Zusammenarbeit mit dem IWF Göttingen, dem FWU München
und dem Klett-Verlag Stuttgart (1974)
- „Einzeller“ (FWU, München, 1972)
- „Filmportrait Konrad Lorenz“ (für
das Referat Zeitgeschichte des IWF Göttingen, 1978)
- „Die grüne Stadt“ Österreichischer
Beitrag zur UNO-Konferenz Habitat (1976)
- „Stadtökologie für Wüstenregionen“ Angepasste
Technologie für Entwicklungsländer (1983)
- Lehrerfortbildungsprogramm des Österreichischen
Jugendrotkreuzes „Ökologie und Umweltschutz - Argumente
in Bildern“ (1976)
- „Ideen einer Kindheit - der Vogelkumpan“ Konrad
Lorenz und die Wurzeln der Ethologie. Lötsch-Film-Wien (1984)
in Co-Produktion mit dem ORF und dem BR
- „Konrad Lorenz - Umweltgewissen“ Ein
Hörbild mit Stimmdokumenten aus zwei Jahrzehnten, CBS Tonträger
(1989)
- „Mensch und Biosphäre - Ist die Zukunft
schon zu Ende?“ Studieneinheit 28 im Rahmen der multimedialen
Produktion „Der Mensch - Anthropologie heute“ des Deutschen
Instituts für Fernstudien Tübingen und Südwestfunks
Baden-Baden (1992/93)
Preise und Auszeichnungen
- Preis der Victor-Gruen-Stiftung, Zug/Zürich
1982
- Bodo-Manstein-Goldmedaille, Naturschutzpreis der
Deutschen Natur- und Umweltverbände (B.U.N.D.), Lübeck, 1985
- Staatspreis für Audiovisuelle Medien in Forschung
und Lehre, Wien (1988)
- Konrad-Lorenz-Medaille 1994 des Wiener Volksbildungswerkes
- Auszeichnung der Österreichischen Gesellschaft
für Onkologie (für seine umweltwissenschaftlichen Aktivitäten
als genereller Beitrag zur Krebsprophylaxe) 1994
- Bayrische Naturschutzmedaille 1995 Regensburg (für
grenzüberschreitende Umweltbeiträge, insbesondere zur Erhaltung
der letzten Bayerischen Donaufließstrecke)
- Berufstitel Gastprofessor der Universität Krems
1996
- Konrad-Lorenz-Staatspreis für Umweltschutz
1998
- Partner des Stephen-Mather-Training Center des U.S.
National Park Service, Harpers Ferry 1998
- Preis Bruno-H.-Schubert-Stiftung, Kategorie I, höchstdotierter
privater Umweltpreis Deutschlands Juni 1999, Frankfurt
Filmfestival-Preise (Auswahl)
- Internationale Biennale des wissenschaftlichen.
Films der Universität Padua 1975, Bucranio d’Argento, Bester
Forschungsfilm
- Internationales Festival des Populärwissenschaftlichen
Films Ronda 1988, Premio Felix Rodriguez de la Fuente
- WHO Medikinale Parma 1989, Magna cum Laude und „Special
Award for Excellent Photography“
- Internationales Umweltfilmfestival „La natura,
l’uomo e il suo ambiente“
- Internationales Berg-, Natur- und Forschungsfilmfestival, Trento 1991,
Goldmedaille Jean Juge
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